Recovery

Etwa Mitte der 2000er-Jahre breitete sich auch in Deutschland die Recovery-Bewegung aus. Recovery geht davon aus, dass auch bei schweren psychischen Erkrankungen Genesung möglich ist. Genesung meint damit nicht unbedingt das Erreichen von vollständiger Heilung. Aber grundsätzlich hat jeder psychisch erkrankte Mensch das Potenzial, ein erfülltes und zufriedenes Leben zu führen, auch wenn eventuell Restsymptome der Erkrankung bestehen bleiben. Das Prinzip Hoffnung und das Erkennen von der Sinnhaftigkeit einer psychischen Erkrankung sind Leitgedanken von Recovery.

ln den USA gibt es bemerkenswerte Biografien einiger vormals schwer erkrankter Protagonisten der Recovery-Bewegung. Die optimistische Haltung des Recovery-Ansatzes und dessen Orientierung an Fähigkeiten und nicht an Defiziten hat vor allem bei den Psychiatrie-Erfahrenen große Anerkennung gefunden und es gibt große Übereinstimmungen mit den Sichtweisen der Psychiatrie-Selbsthilfe.

Seit etwa zehn Jahren hat sich in der Psychiatrie nun die Idee entwickelt, dass es nicht nur sinnvoll wäre, wenn sich Psychiatrie-Erfahrene politisch und in Selbsthilfegruppe engagieren, sondern dass es auch von Vorteil sein könnte, wenn sie als Begleiter im psychiatrischen Hilfesystem aktiv werden. Im Suchtbereich gibt es schon lange das Konzept, dass Ex-User andere Süchtige auf der Grundlage ihrer Erfahrungen unterstützen, ihre Sucht zu besiegen. Im psychiatrischen Bereich betritt man damit Neuland.